Von ökologisch denkenden Tittmoninger Bürgern

Landtagsabgeordnete Gisela Sengl bei der Ökoliste

gisela_senglBei der ersten Wahlveranstaltung der Ökologischen Bürgerliste Tittmoning (Ökoliste) in Tittmoning war die Landtagsabgeordnete der Grünen Gisela Sengl zu Gast. Sie schilderte ihre Erfahrungen in den ersten hundert Tagen im Maximilianeum, in ihren Augen der „schönste Arbeitsplatz in München“, vor allem wegen der fantastischen Aussicht auf die Stadt. Als Agrarpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion im Landtag und als Mitglied des Ausschusses für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten sowie des Ausschusses für Bildung und Kultus verbringe sie sehr viel Zeit in Sitzungen und bei Veranstaltungen.

Als schwierig empfinde sie, dass häufig ungeachtet dessen, was zuvor in den Gremien besprochen worden sei, „automatisch“ die Ziele der Regierungspartei umgesetzt würden, weil die Parteifunktionäre oft auch öffentliche Ämter besetzten. Angesichts der absoluten Mehrheit der CSU sei es natürlich besonders mühsam, eigene Ziele durchzusetzen. So müsse man in der Agrarpolitik endlich weg von quantitativen hin zum qualitativen Wachstum. Das sei am besten mit der Umverteilung der Subventionen zu erreichen, wobei der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen immer Vorrang haben müsse.

Klar formulierte Ziele und  konkrete Inhalte


Nach ihren Ausführungen zur Landespolitik wandte sich MdL Gisela Sengl der Lokalpolitik zu. Sie habe sich sehr über die Einladung zu dieser Veranstaltung gefreut und über die Gelegenheit, die Ökoliste in ihrem Wahlkampf zu unterstützen. Am Wahlprogramm gefielen ihr besonders die klar formulierten Ziele. Die Gruppierung stehe ganz offensichtlich für konkrete Inhalte und liefere nicht bloß Worthülsen. Auch lobte sie die konsequent ökologische Ausrichtung beim Einsatz für das Gemeinwohl, die unerlässlich sei für eine nachhaltige und zukunftsfähige Kommunalpolitik.

Wo san’d Leit?


Sodann übernahm sie die Vorstellung der anwesenden Kandidaten. Zuerst erging das Wort an die Bürgermeisterkandidatin Sabine Papadopoulos, deren Herzensangelegenheit die Wiederbelebung des historischen Stadtplatzes ist. „Wo san’d Leit?“ fragte sie in die Runde. Statt Menschen sähe man fast nur noch parkende Autos im Stadtzentrum. Darum sei sie für eine autofreie Zone, eine Freistellung der Denkmäler von der „Blechlawine“ und eine verbesserte Begehbarkeit des Platzes. Besonders Personen mit Kinderwägen, Rollatoren und Rollstühlen könnten sich kaum auf dem Stadtplatz aufhalten. Zur verbesserten Attraktivität des Zentrums gehöre auch dem Leerstand von Geschäften aktiv entgegenzuwirken durch eine direkte Anwerbung von Einzelhändlern aus der Region. Als Bürgermeisterin wolle sie sich zudem für die Erhöhung des Angebots an regionalen Lebensmitteln, vor allem aus biologischem Anbau einsetzen, denn die Erzeugung und Verarbeitung der Produkte vor Ort stärke nicht nur die heimische Wirtschaft, sondern verbessere auch die Lebensqualität der Bürger. Dass dies zu schaffen sei, zeige beispielsweise ihr Erfolg bei der Durchsetzung von frisch zubereiteten Speisen in der Mittagsverpflegung am Kurfürst-Maximilian-Gymnasium in Burghausen.

Bei 150 Entscheidungen nur sieben Mal dagegen gestimmt.


Der dritte Bürgermeister Peter Wembacher und seine beiden Stadtratskollegen Robert Lex und Hans Glück boten bei ihren Vorstellungen auch einen Überblick der letzten sechs Jahre im Stadtparlament. Das Ende der absoluten Mehrheit habe Tittmoning sehr gut getan. Dadurch wäre vieles erreicht worden wie z. B. die Einrichtung des Waldkindergartens, die Einführung der gentechnikanbaufreien Zone, das Moratorium zum Tetrafunk, die Entwicklung zur „Fairen Stadt“ oder auch die Mitgliedschaft in der „Öko-Modellregion Waginger See“. Ein besonders schwieriges Ziel sei die Versetzung der Bautafel an der B20 gewesen, das nur mit viel Hartnäckigkeit und Durchhaltevermögen erreicht werden konnte, wie Hans Glück augenzwinkernd feststellte.

Robert Lex legte dar, dass die Stadträte der Ökoliste bei 150 Entscheidungen nur sieben Mal dagegen gestimmt hätten, dass man also die meisten Entscheidungen gut hätte mittragen können. Allerdings scheue man sich nicht, zu schwierigen und unangenehmen Themen eine kritische Stellung zu beziehen. Wembacher ergänzte, dass beispielsweise die „nachhaltige Bewirtschaftung“ in der Lokalpolitik immer noch sträflich vernachlässigt werde, obwohl dieses Thema längst in den Fächern Wirtschaft und Recht der Gymnasien angekommen sei.

Laufen und Tittmoning als nationenübergreifendes UNESCO-Welterbe


Bei den Vorstellungen der übrigen Kandidaten kamen viele Ziele der Parteigruppierung zur Sprache. Ilse Englmaier, auch Vorsitzende der Ökoliste, hat durch ihre berufliche Erfahrung als Gutachterin einen besonders guten Einblick in die Themen Bau, Energie und Verkehr. Sie plädierte vehement für einen intensiveren Einsatz der Stadt beim Straßenbauamt, um endlich die längst überfällige Tonnagebegrenzung der Tittmoninger Salzachbrücke zu erreichen. Die Biobäuerin Agnes Fürmann-Maier sorgt sich um die zunehmende Versiegelung von landwirtschaftlichen Flächen im Gemeindegebiet. Diese Flächen wären nicht nur wichtig für die Lebensmittelproduktion, sondern auch für den Hochwasserschutz. Des weiteren verwies sie auf den hohen Frauenanteil unter den Kandidaten und rief die Anwesenden dazu auf, mehr Frauen in den Stadtrat zu wählen. Der jüngste Kandidat Johannes Deser warnte davor, durch zu kurzsichtiges Handeln und durch die einseitige Ausrichtung der Lokalpolitik auf wirtschaftliche Interessen der Jugend ihre Aussichten auf eine lebenswerte Zukunft im Einklang mit der Natur buchstäblich zu „verbauen“. Alfred Kunz plädierte für den Ausbau der Photovoltaik in der Gemeinde, denn „die Sonne schickt keine Rechnung“. Jakob Wagner sprach die Überlegungen an, die untere Salzach zwischen Salzburg und Burghausen mit den Städten Laufen und Tittmoning als nationenübergreifendes UNESCO-Welterbe auszuweisen, was Tittmonings Potenzial als Kultur- und Tourismusort deutlich erhöhen würde. Dies gelänge aber nur, wenn man auf die Wasserkraftnutzung verzichte und die Salzach möglichst naturnah saniere.

Standortfaktoren für die Firma Brückner dem Stadtrat nicht bekannt gegeben worden


Der Kandidatenpräsentation schloss sich eine lebhafte Fragerunde an, die sich vor allem um die Vorgehensweise im Rathaus bei der Ausweisung des Sondergebietes für die Firma Brückner Textile Technologies GmbH und Co. KG drehte. Die anwesenden Stadträte bestätigten, dass sie nicht automatisch, sondern nur auf Nachfrage über den Sachstand informiert würden. Die Standortfaktoren für die Firma Brückner seien dem Stadtrat nicht bekannt gegeben worden, das Thema werde offenbar vornehmlich in Hinterzimmern verhandelt. Aber auch von der Firma selbst hätte man sich mehr Kommunikationsbereitschaft und Bürgernähe erwartet. Mit der Ankündigung, die Sondergebietsausweisung werde der Schwerpunkt der nächsten Veranstaltung, endete der Abend.

Ökolisten-Veranstaltung im Bäckerhaus

Lea Geisberger am Klavier

Für die musikalische Begleitung sorgte Lea Geisberger mit “bunt gemischt am Klavier”.

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