Die Unbeugsamen

Beim gut besuchten Sommerfest der Ökoliste auf dem Hof von Stadtrat Hans Glück konnte endlich die Verabschiedung der beiden langgedienten Stadträte Peter Wembacher und Robert Lex nachgeholt werden, die nach der Kommunalwahl im März 2020 den Stab in der Kommunalpolitik an die nächste Generation weitergegeben haben.

In einer launigen Rede blickten die Vorstandsmitglieder Ilse und Peter Englmaier mithilfe von etlichen mitgeschriebenen Sitzungsprotokollen auf einige Episoden jahrzehntelanger Fraktionsarbeit der beiden zurück. So habe Robert Lex, der 15 Jahre im Stadtrat saß, nie eine Stadtratssitzung verpasst und sogar seine Urlaube teilweise dafür unterbrochen.

Der „Waldbeißer“ setzt sich durch

Er sei regelmäßig durch sein beharrliches Nachfragen aufgefallen, weil er für die Entscheidungen im Stadtrat keine Frage ungeklärt lassen wollte. Als er beispielsweise habe wissen wollen, warum norddeutsches Bier bei einer Rathaus-Veranstaltung ausgeschenkt wurde und auf die vielen Brauereien in der Region hinwies, bezeichnete man ihn als „Wadlbeißer“. Allerdings brachte er doch wohl einige der Stadtratsmitglieder zum Nachdenken, da sein Antrag für ein regionales Beschaffungswesen später Zustimmung fand. Er habe wesentlich dazu beigetragen, dass sich Tittmoning mittlerweile mit dem Titel „Fair Trade Town“ zieren darf.

Des Weiteren habe er schon vor mehr als zehn Jahren darauf hingewiesen, dass die Ableitung von Niederschlagswasser insbesondere aus Gewerbegebieten und bei Straßenausbauten in die örtlichen Bäche das Überschwemmungsrisiko in einigen Ortsteilen massiv erhöhe. Nun habe ihm das Hochwasser am Stillbach in Kirchheim Recht gegeben.

Überraschungergebnis im ersten Anlauf

Peter Wembacher könne auf 24 Jahre Stadtratsarbeit zurückblicken und sei bereits 1996 der erste Bürgermeisterkandidat der Ökoliste gewesen. Gleich zu Beginn habe er gegen den damaligen Bürgermeister Cremer einen beachtlichen Stimmenanteil von mehr als 28 Prozent geholt, was sogar die örtliche Presse mit dem Wort „Überraschung“ quittiert habe.

Stadtrat Wembacher sei für seine gute Vorbereitung auf die Sitzungen bekannt gewesen und das habe er auch von den anderen Stadtratsmitgliedern verlangte. So verließen vor vielen Jahren er und die Kollegen anderer Fraktionen aus Protest den Finanzausschuss, weil für eine Abstimmung kein vollständiger Haushalt vorgelegt worden war.

Als Lehrer und studierter Wirtschaftler habe er immer wieder auf die Grenze des wirtschaftlichen Wachstums hingewiesen. Sein Credo in vielen Anträgen der Ökoliste sei die Schaffung eines sinnvollen, nachhaltigen Kreislaufwirtschafts-Konzepts gewesen, bei dem die begrenzten Ressourcen geschont werden und dennoch die lokale Wirtschaft gestärkt werden könne.

Nie mehr so gut besucht

Besonders ausführlich schilderte Peter Englmaier ein aufsehenerregendes Ereignis, das sich im Zusammenhang mit dem Schulstandort Tittmoning zugetragen hatte: Kurz vor der Kommunalwahl 2008 habe der damalige Bürgermeister Cremer im Stadtrat die Verlegung der Grundschule von Tittmoning nach Fridolfing beschließen lassen wollen. Die letzte Stadtratssitzung, in der die Öffentlichkeit vor der Kommunalwahl von dieser Absicht hätte erfahren können, wollte der Bürgermeister absagen. In einer „Blitz-Aktion“ sei es den beiden Ökolisten-Stadträten gelungen einige Kollegen und Kolleginnen anderer Fraktionen zu überzeugen, mit einem Eilantrag den Bürgermeister zu einer Sondersitzung zu zwingen. Aufgrund des daraufhin riesigen öffentlichen Interesses sei der Sitzungssaal so voll gewesen, dass die Empore durchhing und man die Türe nicht mehr schließen konnte. So ein großes Echo in der Bevölkerung habe seitdem keine Stadtratssitzung mehr erreicht. Bei der Kommunalwahl kurz danach habe die Partei des Bürgermeisters einen Stadtratssitz direkt an die Ökoliste und damit ihre absolute Mehrheit verloren.

Robert Lex und Peter Wembacher freuten sich über ihre Geschenkkörbe und die Fotoalben mit den Dokumentationen ihrer Stadtratsarbeit.

Im Jahresrückblick: Niederschlagswasser, Sportplatz, Salzach und Landesgartenschau

Im Jahresrückblick griff Stadtrat Hans Glück u. a. das Thema Einschleifer bei Grassach auf. Den Antrag auf Rückbau der Teerfläche sehe er angesichts der offensichtlich nicht vorhandenen Notwendigkeit der Versiegelung nicht als sinnlos an. Die aktuellen Ereignisse mit hohen Mengen an Niederschlagswasser zeigten, dass jeder Quadratmeter neu versiegelter Boden schade.

„I gib koa Ruah!“

Hans Glück hakte wochenlang wegen der Sportplatz-Beleuchtung nach.

Ilse Englmaier, die Vorsitzende der Ökoliste, bedankte sich bei Hans Glück, dass er es durch wochenlanges Nachhaken geschafft habe, dass die Außenbeleuchtung am Sportpatz des TSV Tittmoning, die seit der Inbetriebnahme der Anlage jede Nacht durchgehend eingeschaltet war, endlich den rechtlichen Vorgaben gemäß reguliert wird. Die permanente Beleuchtung sei nicht nur wegen der Stromkosten eine Verschwendung öffentlicher Gelder, sondern schade auch der Natur. „I gib koa Ruah!“ meinte er mit Nachdruck.

Besonders freute sich die Fraktion der Ökoliste über die No-Regret-Maßnahmen an der Salzach. Hier werde vom Wasserwirtschaftsamt der richtige Schritt unternommen, um dem drohenden Sohldurchschlag im Flussbett entgegenzuwirken.

Zum Thema Landesgartenschau hob Hans Glück hervor, die Ökoliste werde die Bewerbung vollumfänglich unterstützen. Hier ergäbe sich die Chance aus dem Tourismusbereich Einnahmen für die ansässigen Gewerbebetriebe zu generieren. So müsse die Stadt nicht mehr wertvollen Boden für weitere Einnahmen aus Gewerbegebieten zupflastern.

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